Mercedes-Benz hat die SL-Klasse dezent überarbeitet

Der Mythos lebt weiter

Roadster sind keine Automobile, die von der Vernunft bestimmt sind. Ihre serienmäßigen Zutaten sollen von Emotionen und Fahrgenuss geprägt sein. Dann sind es gelungene Kreationen im automobilen Straßen-Allerlei. Die SL-Klasse gehört zweifelsohne zu dieser Gattung. Um so schwieriger war ihre Überarbeitung.

Von Ingo Buck

Seit mehr als fünf Jahrzehnten sorgt der SL für einen Mythos, den nur wenige Automobile hervorrufen. Die Geschichte fing mit dem 300 SL an, der seine erste Sternstunde als Flügeltürer beim legendären Rennen durch Südamerika, der Carrera Panamericana, im Jahr 1952 erlebte. Heraus kam ein Doppelsieg. Die zweite folgte 1954 - bei der Weltpremiere des Serienmodells in New York. Drei Jahre später verwandelte sich das Flügeltüren-Coupé mit den Rennwagen-Genen zum Roadster.

Dezent verfeinert

Auto-Enthusiasten bezeichnen die aktuelle Generation der Baureihe 230, die seit viereinhalb Jahren auf unseren Straßen zu sehen ist, als eine Design-Ikone des modernen Automobilbaus. Deshalb ging Mercedes-Benz bei der optischen Überarbeitung des Nachfolgers jetzt auch sehr sorgsam um.

Besonderes Augenmerk galt dabei den Themen Dynamik und Fahrspaß, sprich Antrieb und Fahrwerk. Den neuesten Stand der Motorentechnik bieten drei neue Triebwerke mit sechs und acht Zylindern: Sie haben mehr Leistung und Drehmoment als ihre Vorgänger bei gleichzeitig höherer Laufkultur. Außerdem konnten der Verbrauch und die Abgaswerte gesenkt werden.

Weniger Benzin

Dies gilt besonders für den SL 350. Das Einstiegsmodell (ab 81548 Euro) mobilisiert 200 kW/272 PS - 27 PS mehr als der Vorgänger - und verbraucht über einen Liter Benzin weniger auf 100 km (Mixverbrauch 10,3 Liter). Den obligatorischen Spurt von null auf 100 km/h absolviert der Hecktriebler innerhalb von 6,6 Sekunden. Der SL fährt sich schon mit diesem Motor ziemlich leichtfüßig und dank neuer Abgasanlage und Soundanpassung mit angemessenem Klang. Geschaltet wird dabei mit einer flotten Siebengang-Automatik, die die Gänge weich und ruckfrei wechselt.

Auch der SL 500 (ab 102544 Euro) besitzt dieses Getriebe, dass aber jetzt statt mit 306 PS, mit satten 285 kW/388 PS gefüttert wird. 5,4 Sekunden von null auf 100 km/h sprechen eine deutliche Sprache, mit der offensichtlich Kunden gewonnen werden sollen, die sonst in der Zuffenhausener Gegend (bei Porsche) bedient werden. Damit die Sportlichkeit nicht aufs bloße Gasgeben beschränkt bleibt, kann der neue Siebengang-Automat auch mit der Zusatzfunktion „Sport“ (290 Euro) bestellt werden. Dabei können die Gänge im manuellen Modus wie in der Formel 1 per Lenkradtasten gewechselt werden - und das um 30 Prozent schneller als zuvor.

Die Spitze der Motorenpalette markiert das V12-Biturbo-Triebwerk des SL 600 (ab 134096 Euro) mit 380 kW/517 PS. Hier reicht - wegen des enormen Drehmomentverlaufs (830 Nm von 1900-3500 U/min.) - ein automatisches Fünfganggetriebe für die Schaltarbeit dicke aus. Wahrscheinlich hätte sogar ein Vierganggetriebe genügt, um die Kraft auf die Straße zu bringen.

Fahrdynamik pur

Mehr Dynamik bietet die neue SL- Generation aber nicht nur durch höhere Leistung. Parallel dazu haben die Ingenieure dem Roadster Fahreigenschaften antrainiert, die getrost als knackig bezeichnet werden können. Die Lenkung dürfte zum Besten gehören, was momentan auf dem Markt ist und das Fahrwerk mit Active Body Control (aktive Karosserie-Regelung) reduziert die seitliche Karosserie-Neigung im SL 500 und SL 600 serienmäßig so gut, als würden kleine Supermänner die Federarbeit übernehmen und sich nach jeder Kurve begeisternd die Hände abklatschen.

Der Zweisitzer hat neben leichten Retuschen an Schürze, Kühlergrill und Heckleuchten auch praktische Verbesserungen erhalten. So kann neuerdings die Gepäckabdeckung herausgenommen werden, was eine um 22 auf 339 Liter erhöhte Ladekapazität ergibt. Ebenfalls neu ist die Heckdeckel-Fernschließung, die auch bei geöffnetem Variodach funktioniert.

Mercedes-Benz hat es mit der neu überarbeiteten SL-Klasse scheinbar gut verstanden, dass man Gutes nur durch Feinarbeit verbessern kann und nicht durch Designer-Kapriolen. bbs

Bildunterschriften: Die Seitenlinie der frisch überarbeiteten SL-Klasse von Mercedes-Benz wurde gegenüber dem Vorgängermodell beibehalten. Neu sind hier nur das Design der Aluräder und eine horizontale Teilung der Heckleuchten durch ein weißes Band.

Die Vorderfront bekam einen neuen Stoßfänger mit drei großen Kühlöffnungen. Statt vier Lamellen im Kühlergrill zieren diesen jetzt drei verchromte Lamellen.

Das Interieur des SL 500 und 600 erhielt weicheres Leder mit einer Auswahl von neuen designo-Farben. Das Öffnen oder Schließen des faltbaren Hardtops dauert nur 16 Sekunden.

Technische Daten
Motor SL 350: V6-Benzinmotor, 3498 ccm, 200 kW/272 PS, 24 V, max. Drehmoment 350 Nm bei 2400-5000 U/min., gemischter Verbrauch 10,3 Liter Superbenzin/100 km, Euro4.

Fahrwerte: 0-100 km/h in 6,6 Sekunden; Vmax. 250 km/h.
Motor SL 500: V8-Benzinmotor, 5461 ccm, 285 kW/388 PS, 32 V, max. Drehmoment 530 Nm bei 2400-4800 U/min., gemischter Verbrauch 12,2 Liter Superbenzin/100 km, Euro4.

Fahrwerte: 0-100 km/h in 5,4 Sekunden; Vmax. 250 km/h.
Motor SL 600: V12-Benzinmotor, 5513 ccm, 380 kW/517 PS, 36 V, max. Drehmoment 830 Nm bei 1900-3500 U/min., gemischter Verbrauch 14,3 Liter Super- Plus/100 km, Euro4.

Fahrwerte: 0-100 km/h in 4,5 Sekunden; Vmax. 250 km/h.
Antrieb: Heckantrieb, Siebengang-Automatikgetriebe (SL 600 mit Fünfgang-Automatikgetriebe), ESP, ABS, Bremsassistent.
Fahrwerk: Vorderachse mit vierfach-Anlenkung, Bremsmomentabstützung, Gasdruckstoßdämpfer, Schraubenfedern, Stabilisator. Hinterachse als Raumlenkerachse mit Anfahr- und Bremsmomentabstützung, Gasdruckstoßdämpfer, Schraubenfedern, Stabilisator.

Maße & Gewichte: Länge/Breite/Höhe = 4,53 m/1,83 m/1,32 m; Radstand 2,56 m, Wendekreis 11,04 m, Leergewicht 1825- 2045 kg, Zuladung 275-295 kg, Gepäckvolumen 235-339 Liter, Tankinhalt 80 Liter.

Preise: SL 350 81548 Euro, SL 500 102544 Euro, SL 600 134096 Euro.

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zuletzt aktualisiert am 06.04.2020 

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